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von der Freude eine Fähigkeit zu entwickeln

03/09/2012

Kennt Ihr das Gefühl, etwas können zu wollen, von dem Ihr denkt es sei einfach zu schwierig für Euch oder Ihr hättet leider nicht die nötige Geduld/ Mut/ Ausdauer/ was auch immer um es zu lernen? Ich kenne diese Gedanken sehr gut in Bezug auf’s Stricken.

Als ich ein Kind war erbte ich von meiner Freundin Pullover, die Ihre Mutter aus selbstgefärbter Seide gestrickt hatte – sie waren wunderschön und fühlten sich unglaublich gut an.

(und harmonierten perfekt mit Plastikleggings und Tigersocken)

Ich weiß nicht, ob ich damals schon den Wunsch hatte, selber stricken zu können, aber ich habe es in meinem späteren Leben mehrmals versucht zu lernen. Es hat nicht wirklich funktioniert. Meine Mutter hat es mir versucht beizubringen, aber wie das oft so läuft mit Müttern und heranwachsenden Töchtern – wir hatten es schwer miteinander. Mittlerweile habe ich etliche Bücher im Regal stehen mit Strickmustern und Anleitungen, für den fernen Tag, an dem ich endlich stricken kann. Das ich es wollte stand ausser Frage.

Vor zwei Jahren habe ich es dann immerhin zu einem kleinen Dreiekstuch gebracht. Dabei blieb es dann aber erstmal. Und nun… ich bin ganz aus dem Häusschen – ich habe zum ersten Mal das Gefühl, dass die Welt des Strickens kein Buch mit sieben Siegeln mehr für mich ist, für das ich irgendwie den Sesam-Öffne-Dich-Spruch nicht mitbekommen habe. Ich kann rechts, links, kraus und glatt, patent und perlig, alles geht. Und das Beste ist, ich kann heruntergefallene Maschen wieder aufheben und brauche deshalb keine Angst mehr vor Fehlern zu haben. Für Jemanden der schon stricken kann mag sich das unspektakulär anhören, aber für mich ist es ein echtes Erfolgserlebnis!

Und da gibt es eine junge Dame, die in den letzten Tagen nicht müde wurde zu fragen, wann ich denn endlich ihre Ski-Socken fertig hätte. Meine Tochter hat letzte Woche entdeckt, wie gut es sich mit Wollstrümpfen durch unser (nach der kürzlichen Renovierungsaktion schön großes) Wohnzimmer schlittern lässt. Ich habe ihr voreifrig gesagt „wenn ich mal stricken kann, dann mache ich Dir selber welche und Du darfst Dir die Farbe aussuchen!“ Für sie bestand nicht der geringste Zweifel, dass ich es lernen würde, die Frage war ihrer Meinung nach eher, wann ich endlich den Hintern dazu hochkriegen würde… das ließ sie mich immer wieder wissen.

Und dann kam meine Freundin aus Kanada. Sie machte mich mit ihrer herrlich unbekümmerten Herangehensweise vertraut. Keine Anleitungen, einfach Grundwissen und Kreativität gemixt mit ein bißchen Denkarbeit. Ihr verdanke ich die Idee, einfach zum Üben drauflos zu stricken und den Perfektionismus draussen zu lassen. Und das tat ich. Die fünf Tage seit denen sie weg ist  bin ich mit Stricken schwer beschäftigt gewesen.

Ich habe mich dank des Drängens meiner Tochter inzwischen auch an eine Rundstricknadel herangetraut . Nachdem abzusehen war, dass mein erster Versuch eine Größe 40 ergeben würde, habe ich dann auch zwei passende Socken hingekriegt. Und danach noch zwei bunte Stulpen. Die Winzigkeit der Strickstücke waren herzergreifend. Jetzt weiß ich auch, warum eine Schwangerschaft neun Monate dauert – damit die Mutter genug Zeit hat sich am stricken kleiner Winzigkeiten zu erfreuen! ;)

Was mich am meisten erfreut ist die Begeisterung, mit der meine Familie auf meine Strickambitionen reagiert. Mein Mann begründet seine positive Reaktion mit der Feststellung, dass es nichts besseres für die Füße gäbe, als selbstgestrickte Socken :) , und meine Kinder sagen so aufbauende Sachen wie „Du bist aber eine gute Strickerin, Mama“ und „go Mama, go!“ Kann es was motivierenderes geben?

Das Allerbeste ist allerdings, dass ich nicht alleine bin mit meinem Interesse für’s Stricken, und mein neuerworbenes Wissen gleich weitergeben kann – so lernt man schließlich am besten, gell?

Ich muss an Carol Dweck denken, die in ihren Untersuchungen zum Thema Selbstbild herausgefunden hat, wie wichtig es ist daran zu glauben, dass der eigene Geist und die eigenen Fähigkeiten dynamisch sind und sich stets weiterentwicken können. Eine innere Haltung, die einem das Leben enorm erleichtert. Wie schade ist es, dass wir uns so oft von unseren Vorhaben oder Träumen abhalten weil wir insgeheim glauben wir hätten eben kein Talent und könnten die dafür nötigen Fähigkeiten nicht erlernen.

Manchmal braucht es nur eine erfrischend neue Herangehensweise oder ein bißchen Unterstützung und den Willen sich auf das zu fokussieren, was einem wichtig ist…

Was würdet Ihr gerne noch lernen oder tun bei dem Euch der Glaube an Eure Fähigkeit zur Weiterentwicklung helfen könnte?

Damit einen schönen Wochenstart Euch allen!

(p.s.: Wer Hilfe beim Stricken braucht und gerade niemanden zur Hand hat kann auch in diversen Internetforen Unterstützung bekommen. Ich bin z.B. neuerdings bei http://www.nadelspiel.com . Die Anleitungsvideos dort sind der Hammer und im Forum wurde mir auch schon super geholfen, als ich gar nicht mehr weiterkam. Ich kann’s nur empfehlen.)

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2 Kommentare leave one →
  1. 09/09/2012 12:32 pm

    Oh, wie schön! Für mich, die ich ohne das Stricken vermutlich nicht lange leben würde, liest sich das ganz toll! Ich freue mich sehr für Dich, dass Du den für Dich richtigen Weg gefunden hast. Die meisten Menschen, die ich kenne haben ja ihre vergleichbaren Erlebnisse mit dem Stricken in der Schule. Und die meisten hassten es und haben es seitdem nicht mehr getan. Dabei hat sich seitdem eine wahre Parallelwelt entwickelt. Mit so unglaublich viel Schönem, gerade auch aus Amerika und Kanada. Hast Du auch schon Ravelry entdeckt? Es lohnt sich: http://www.ravelry.com – eine weltweite Handarbeitscommunity.
    Alles Liebe und viel Spaß bei den nächsten Projekten,
    Susanne

    P.S.: Und Glückwunsch zur dieser tollen, motivierenden Familie!

  2. 09/09/2012 1:06 pm

    Hallo Susanne, schön Dich kennen zu lernen!
    Ja, ich bin schon seit einer Weile bei Ravelry angemeldet und habe schon öfters dort gestöbert. Es ist noch nicht ganz leicht für mich, mich zurecht zu finden. Immerhin habe ich vor ein paar Tagen entdeckt, dass es manchmal auch deutschsprachige Anleitungen zu finden gibt. Mit den englischen Abkürzungen und Strickbegriffen habe ich mich noch nicht auseinandergesetzt. Zur Zeit schau ich mich also erstmal nur um, lerne nach und nach die Funktionen kennen und speicher mir Anleitungen ab die mich ansprechen.
    Du motivierst mich gerade, mich mal wieder näher damit zu beschäftigen.

    So, und jetzt hops ich mal auf Dein Blog rüber.

    Einen schönen sonnigen Sonntag Dir noch!
    Katharina

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